
Dr. Georg Friedrich Müller, ein Arzt aus Tübingen, hat die damalige "Heil- und Pflegeanstalt für schwachsinnige Kinder" 1849 in Riet bei Vaihingen/Enz gegründet. Er war inspiriert von den Ideen seines Vetters, des Pfarrers Karl Georg Haldenwang, der in Wildberg im Schwarzwald vorgelebt hatte, wie man
geistig behinderte Menschen als "Schwestern und Brüder" entdeckt und ihre Entwicklungs- und Fördermöglichkeiten erkennt.

Als Gemeinschaft von behinderten und nicht-behinderten Menschen wurde die
"Anstalt" gegründet und so auch von dem genialen Pädagogen und tiefgläubigen Christen Johannes Landenberger in Schloss Stetten seit 1863 weitergeführt.
Seine heilpädagogischen Erkenntnisse sind in die moderne Heilpädagogik eingeflossen.

Dr. Hermann Wildermuth begründete die systematische medizinische Hilfe
für Menschen mit epileptischen Erkrankungen während er von 1880-89
ärztlicher Leiter in Stetten war. Seither hat dieser Zweig medizinischer
Behandlung einen hohen Stellenwert in Stetten.

Inspektor Ludwig Schlaich eröffnete 1933 die Heilerziehungspflegeschule und initiierte damit den Beruf des Heilerziehungspflegers, der heute als staatlich anerkannte Fachausbildung die Hauptarbeit in der pädagogischen Begleitung und Pflege geistig behinderter Menschen leistet.
Die Ludwig Schlaich Schule der Diakonie Stetten in Waiblingen bietet heute darüber hinaus auch Ausbildungen in Arbeitserziehung und Heilpädagogik an.
Schreckliches geschah im "Dritten Reich":
330 Bewohnerinnen und Bewohner wurden in nur wenigen Monaten des Jahres 1940 Opfer der Ideologie vom "lebensunwerten Leben".
Der 'Stein des Gedenkens' im Stettener Schlosshof erinnert an die Deportationen und an die Namen der Ermordeten. Es mahnt, alle Tendenzen, zwischen "lebenswert" und "lebensunwert" zu bekämpfen und in dieser Hinsicht aufkeimende Gedanken anzuklagen.
Die Kreative Werkstatt der Diakonie Stetten wurde 1966 von Anne Dore Spellenberg gegründet. Hier entstehen die Werke der "Künstler aus Stetten". Die außergewöhnlichen Bilder und Skulpturen haben durch Wanderausstellungen in vielen Städten Europas, in Südamerika und Russland zu vermehrtem Verständnis für Menschen mit Behinderungen geholfen.
Freundschaftliche Verbindungen sind entstanden, die durch Begegnung und gemeinsames künstlerisches Schaffen von behinderten und nicht-behinderten Menschen wachsen.


Die Diakonie Stetten erwirbt zum 1. Januar 1999 von der Herrnhuter Brüdergemeine das Kurhaus in Bad Boll sowie das Gästehaus mit Tagungsräumen, Thermalmineralbad, Kurpark, Quelle und Friedhofsgelände. An der Kurhaus gGmbH erwirbt die Diakonie Stetten eine Beteiligung von 75%, die weiteren 25% verbleiben bei der Herrnhuter Brüdergemeine. Die Kurhaus gGmbH (120 Betten) hat einen guten Ruf mit ihrem Angebot der Anschlussheilbehandlung nach Hüftoperationen, einem Zentrum für Rückenschule, dem Thermalmineralbad und medizinischen Angeboten im orthopädischen Bereich. - 1595 wurde das Kurhaus vom württembergischen Herzog Friedrich I. gegründet. Nach dem Wirken von Johann und Christoph Blumhardt ging das Haus 1920 in den Besitz der Brüder-Unität über. Die Schwefelquelle, der Boller Jura Fango und das Thermalmineralwasser bilden die drei ortsgebundenen Heilmittel, die in der Rehabilitation eingesetzt werden.

Am 26. April 2008 werden die Verträge zum Zusammenschluss der Diakonie Stetten mit dem Alexander-Stift unterzeichnet. Damit übernimmt die Diakonie Stetten e.V. 90% der Geschäftsanteile an der Alexander-Stift gGmbH; 10% verbleiben bei der Stiftung Bessarabien, womit die Verbindung zum Bessarabiendeutschen Verein lebendig gehalten wird. Das Alexander-Stift hat seine Wurzeln im 1864 gegründeten Alexander-Asyl in Sarata / Bessarabien als Heimstätte für bessarabiendeutsche Frauen und Männer. Heute ist das Alexander-Stift mit Hauptsitz in Großerlach-Neufürstenhütte eine moderne Einrichtung der Altenhilfe mit einem allgemeinen, diakonisch orientierten Versorgungsauftrag für Senioren. Ende 2008 werden vom Alexander-Stift 16 Gemeindepflegehäuser in den Landkreisen Rems-Murr, Göppingen, Ludwigsburg und Heilbronn betrieben.