Dieses Leitbild beschreibt das Wesentliche, was die Diakonie Stetten als Einrichtung ausmacht und was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dieser Einrichtung verbindet. Das Leitbild drückt Realität und Anspruch zugleich aus.
Es verbindet die in der Vergangenheit gewachsene Tradition, die heute gelebte Wirklichkeit und die für die Zukunft gewollte Entwicklung.
Es hat damit den Charakter eines Grundgesetzes und ist verbindliche Grundlage der Arbeit in der Diakonie Stetten. Auf das Leitbild kann sich jedes Mitglied der Einrichtung berufen; Vorstand und Mitarbeiterschaft haben es gemeinsam erarbeitet.
Für Menschen, die Hilfe brauchen, weil sie geistige, körperliche, seelische oder soziale Belastungen haben.
Dazu gehören:
Kinder ab den ersten Lebenstagen, Jugendliche, Erwachsene und alte Menschen, die eine geistige oder mehrfache Behinderung haben,
Junge Menschen, die beim Lernen, im sozialen Verhalten und in ihrer beruflichen Ausbildung Schwierigkeiten haben,
Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung behindert und arbeitslos sind und deshalb einen Arbeitsplatz und besondere Arbeitsbedingungen brauchen,
Junge Menschen, die auf Grund sozialer und psychischer Beeinträchtigung arbeitslos sind und langzeitarbeitslose Erwachsene,
Pflegebedürftige Menschen mit schweren Hirnschädigungen,
Alte Menschen, die Betreuung und Pflege brauchen.
Und wir sind da für deren Eltern und Angehörige, die Beratung und Begleitung suchen.
Unsere Einrichtung ist ein diakonisches Unternehmen mit Sitz in Kernen bei Stuttgart.
Ihr Auftrag gründet sich in der biblischen Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen, wie sie durch Jesus Christus verkündet und gelebt wurde.
Wir verstehen unsere Tätigkeit als gelebte Nächstenliebe in Wort und Tat.
Dies kommt im Zusammenwirken von täglicher Arbeit und vielfältigem geistlichem Leben zum Ausdruck.
Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch ein einmaliges Geschöpf Gottes und deshalb eine unverwechselbare Persönlichkeit ist.
Jeder Mensch hat, unabhängig von seinen Fähigkeiten und Leistungen, eine unantastbare Würde und ein uneingeschränktes Lebensrecht und so auch ein Recht auf Selbstbestimmung und Selbstverantwortung.
Die Begleitung der Menschen, die bei uns wohnen, lernen und arbeiten verstehen wir als Begegnung, die geprägt ist von einem respektvollen Umgang miteinander.
Wir fördern und entwickeln die Gaben und Fähigkeiten des Einzelnen und sehen nicht nur die Beeinträchtigungen, die es auszugleichen gilt.
Dabei beachten wir die sozialen und wirtschaftlichen Lebensumstände, unter denen der Einzelne leidet und die zu verbessern sind.
Seit der Gründung der "Heil- und Pflegeanstalt für schwachsinnige Kinder" im Jahre 1849 in Riet/Enz hat die Diakonie Stetten den heilpädagogischen und medizinischen Fortschritt mitgeprägt und gegen die gesellschaftliche und religiöse Ausgrenzung von Menschen mit geistiger Behinderung Stellung bezogen.
Sie hat dabei Zeiten des Wohlstandes und Zeiten großen Mangels erlebt.
Richtungsweisend war 1933 die Gründung der ersten Schule für Heilerziehungspflege.
Gegen die Verbrechen der Zwangssterilisierung und Ermordung geistig behinderter Menschen während der national-sozialistischen Zeit ist in unserer Einrichtung nicht genügend Widerstand geleistet worden.
Diese Schuld ist unvergessen, sie ist bleibende Mahnung und Verpflichtung.
In den Jahrzehnten nach dem Krieg hat die Diakonie Stetten immer wieder neue soziale Aufgaben übernommen und sich zu ihrer heutigen Vielfalt und Größe entwickelt.
Aus dem wegweisenden Denken und Handeln und aus der Erkenntnis der Fehler in der Geschichte unserer Einrichtung begründen wir unsere heutige Tradition.
Wir verpflichten uns, das Lebensrecht und den Lebenswert der uns anvertrauten Menschen zu vertreten und zu schützen.
Ihre Lebensumstände wollen wir entsprechend den Fähigkeiten und Bedürfnissen so normal wie möglich gestalten, die gesellschaftliche Eingliederung unterstützen und Heimat anbieten.
Die Mitwirkung der Beschäftigten, der Bewohnerinnen und Bewohner wollen wir fördern.
Angehörige und gesetzlich bestimmte Betreuer beziehen wir in die Arbeit ein.
Als diakonisches Unternehmen wollen wir eine christliche Gemeinschaft mit lebendigen Formen des Glaubens und der Nächstenliebe sein.
Die Qualität unserer Arbeit wollen wir umfassend sichern und weiterentwickeln.
Für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Diakonie Stetten als überregionaler Einrichtung und für die Sicherung der Arbeitsplätze setzen wir uns ein.
Wo uns neue soziale Aufgaben herausfordern, wollen wir sie aufgreifen.
Wir betreuen, fördern, pflegen und begleiten die uns anvertrauten Menschen in vielfältigen Wohnformen, in Kindergärten, Schulen, Heilpädagogischen Fördergruppen, Werkstätten für Behinderte, Ausbildungsbetrieben, Arbeitsinitiativen und in Einrichtungen zur Freizeitgestaltung.
Als Grundlage für pädagogisches und therapeutisches Handeln erstellen wir Förderdiagnosen und die daraus folgenden individuellen Betreuungspläne.
Wir bieten therapeutische Hilfen bei körperlichen, emotionalen und sozialen Problemen.
Wir fördern die Entwicklung von Kindern mit Behinderungen im Vorschulalter. Schulpflichtige junge Menschen mit Behinderungen unterrichten wir in eigenen Schulen.
Junge Menschen mit Lernbehinderung bereiten wir auf Ausbildung oder Arbeit mit fachlichen und sozialen Hilfen vor. Wir bilden sie in Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsberufen aus und unterstützen sie in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung.
Wir stellen Arbeitsplätze für Frauen und Männer mit Behinderungen in eigenen Versorgungs-, in Handwerksbetrieben und in Werkstätten bereit.
Durch Arbeitsinitiativen gliedern wir langzeitarbeitslose Menschen ins Erwerbsleben ein.
Wir leisten medizinische Behandlung und Pflege für Menschen mit geistiger Behinderung, Mehrfachbehinderung, psychiatrischer Erkrankung sowie für Menschen mit Epilepsieerkrankungen und Kinder- und jugendpsychiatrischen Fragestellungen. Zahnärztlich versorgen wir durch eine Praxis im Haus.
Wir achten auf eine gesunde Lebensweise.
Das geistliche Leben in unserer Einrichtung bringen wir in den Festen des Kirchenjahres, durch Gottesdienste und Andachten, Seelsorge und Sterbebegleitung zum Ausdruck.
Wir feiern persönliche Feste der uns anvertrauten Menschen. Gemeinsam feiern wir auch mit Gästen beim Jahresfest und am Tag der offenen Tür.
Besuchern aus aller Welt ermöglichen wir, unsere Arbeit kennenzulernen. Wir unterstützen die Arbeit sozialer Einrichtungen im In- und Ausland.
Bei der Erfüllung unserer Aufgaben orientieren wir uns an den Bedürfnissen und am Wohl der Menschen, für die wir da sind.
Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten streben wir ein hohes und zuverlässiges Niveau unserer Leistungen an. Dies soll durch einheitliche Qualitätsvorgaben und standardisierte Arbeitsabläufe sichergestellt werden.
Unsere Betreuung und Begleitung geschieht in Teamarbeit.
Sie wird durch vielfältige Dienstleistungsbereiche unterstützt.
Im Rahmen ihrer Gremien sind Bewohnerinnen und Bewohner, Beschäftigte, Auszubildende, Eltern und Angehörige an wesentlichen Entscheidungsprozessen beteiligt.
Die Gesamtleitung liegt beim Vorstand.
Er wird durch den Verwaltungsrat kontrolliert und beraten.
Wir entwickeln unsere Strukturen und Arbeitsabläufe kontinuierlich weiter. Organisationseinheiten werden gefördert in ihrem Ziel, weitgehend selbständig, eigenverantwortlich und reibungsarm zu arbeiten.
Unsere Führungsgrundsätze sind verbindlich vereinbarte Regeln, die auf Kooperation und Partnerschaft ausgerichtet sind. Sie dienen dazu, dass die geistlichen, fachlichen und ökonomischen Ziele der Diakonie Stetten erreicht werden.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten eigenverantwortlich im Rahmen der vereinbarten Ziele.
Führungsaufgaben zu übernehmen bedeutet, dafür verantwortlich zu sein, dass Ziele vereinbart, Aufgaben delegiert, Entscheidungen begründet und Ergebnisse kontrolliert werden.
Zur Führung gehört es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Entscheidungen zu beteiligen, regelmäßig Reflexionsgespräche ("Mitarbeitergespräche") zu führen und ein gutes Arbeitsklima zu fördern.
Informationen zu geben und einholen ist gleichermaßen Pflicht und Recht.
Unsere Kommunikation dient dazu, die Arbeitsabläufe zügig und reibungsarm zu gestalten und gute Arbeitsergebnisse zu erzielen. Sie soll deshalb aktuell, verständlich und zweckdienlich sein.
Die Zusammenarbeit mit der Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitervertretung (MAV) wird durch Vertrauen und Partnerschaft geprägt.
Wir fördern die berufliche Chancengleichheit von Frauen und Männern.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden fachlich und persönlich nach den Erfordernissen des Arbeitsplatzes und denZielen der Einrichtung ausgewählt und für ihre Arbeit aus-, fort- und weitergebildet.
Eigene und externe Fachdienste beraten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Bedarf.
Wir bilden in heilerziehungspflegerischen und anderen sozialpädagogischen Berufen aus.
Ein soziales Lernfeld bieten wir jungen Menschen in Zivildienst, Praktika oder Diakonischem Jahr.
Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ist für das wirtschaftliche Denken und Handeln am Arbeitsplatz und in der Einrichtung mitverantwortlich.
Wir pflegen und erhalten unsere Ausstattung sorgfältig.
Sie wird dem Bedarf, dem Stand der Technik und den ökologischen Einsichten angepasst. Entscheidungen richten sich nach sach- und fachgerechter Qualität, Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit.
Wir achten darauf, Zeit und Geld bedarfsgerecht und kostenbewusst einzusetzen. Die Verwendung unserer Mittel machen wir durchsichtig und informieren die Öffentlichkeit darüber in geeigneter Weise.
Wir setzen uns dafür ein und sind darauf angewiesen,
dass unsere Arbeit von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und deren Gemeinden mitgetragen und unterstützt wird.
dass die sozialen und bürgerlichen Rechte der Menschen, für die wir da sind, gesetzlich gültig bleiben und dass dadurch unsere Arbeit rechtlich abgesichert bleibt.
dass unsere Arbeit als wertvoller Beitrag in der Öffentlichkeit anerkannt bleibt, finanziell ausreichend durch die öffentliche Hand gefördert und durch zusätzliche Spendenmittel unterstützt wird.
dass die Menschen, für die wir da sind, in der Öffentlichkeit einen selbstverständlichen Umgang erleben. Dazu dienen auch eine vorurteilslose Berichterstattung, ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis und gute Kontakte unserer Einrichtung zu Wirtschaftsbetrieben, zur öffentlichen Hand und zu den Medien.
dass die enge und verständnisvolle Verbundenheit mit den Gemeinden an unseren Standorten erhalten bleibt.
Diese Bestrebungen verstärken wir durch unsere Mitgliedschaft und Mitarbeit im Diakonischen Werk und in anderen Fachverbänden auf Landes- und Bundesebene.
Dieses Leitbild wurde am 1. August 1997 in Kraft gesetzt.
Jeweils nach Ablauf von fünf Jahren wird es auf seine Anwendbarkeit in der Praxis überprüft und bei Bedarf überarbeitet.